Neues Lernen mit Medien am AGS2017-01-03T18:51:26+00:00

Wieso („neue“) Medien in der Schule?

Wenn man im schulischen Kontext von “neuen” Medien spricht, so bezieht man sich im Allgemeinen auf die Präsenz von Computern im Schulhaus. Der Computer gehört seit vielen Jahren zum Inventar eines jeden Schulhauses, weshalb man in diesem Kontext nicht mehr wirklich von “neuen” Medien sprechen kann. Seit dem Einzug der modernen Technik in den Schulalltag hat sich jedoch mit der rasanten Entwicklung des Internets – welches im Volksmund gerne nach wie vor als „neues“ Medium bezeichnet wird –  auch die Gesellschaft verändert und auf diese Veränderungen muss die Schule reagieren. Zudem darf nicht vergessen werden, dass viele Schüler inzwischen leistungsfähige Smartphones besitzen, die sie im Alltag begleiten. Das Internet, auch Web 2.0 oder partizipatives Netz genannt, stellt uns daher vor eine neue Herausforderung.

Die (neuen) Medien nehmen in der heutigen digitalen Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert ein, nicht zuletzt sind sie ein Teil der Lebensrealität der heutigen Jugend. Bisher ist es so, dass die Medienvielfalt mit der die heutige Jugend aufwächst, ihren Platz vor allem in der Freizeit hat und zum Großteil dem Konsum der angebotenen Informationsflut dient. Das Wissen darum, wie diese allgegenwärtige Medienpräsenz sinnvoll genutzt werden kann und wie man sich im Datendschungel zurechtfindet, wurde ihr jedoch nicht in die Wiege gelegt.

Bereits im Bildungsplan 2004 wurde auf die Bedeutung der digitalen Medien in der Schule eingegangen. Die dort angesprochenen Aspekte werden nun in den Leitperspektiven des Bildungsplans 2016 weitergeführt. Medienbildung gilt dort eine von sechs Säulen der Bildung, die in der Schule vermittelt werden soll. Mit folgenden Worten wird in den Leitperspektiven des Bildungsplans 2016 darauf eingegangen:

Die Entwicklung unserer Gesellschaft zu einer Mediengesellschaft macht Medienbildung zu einem wichtigen Bestandteil allgemeiner Bildung. Ziel von Medienbildung ist es, Kinder und Jugendliche so zu stärken, dass sie den neuen Anforderungen sowie den Herausforderungen dieser Mediengesellschaft selbstbewusst und mit allen erforderlichen Fähigkeiten begegnen können. Dazu gehören eine sinnvolle, reflektierte und verantwortungsbewusste Nutzung der Medien sowie eine überlegte Auswahl aus der Medienvielfalt in Schule und Alltag. Um diese Kompetenzen zu vermitteln, muss Medienbildung fächerintegrativ unterrichtet werden. Die grundlegenden Felder der Medienbildung sind Information, Kommunikation, Präsentation, Produktion, Analyse, Reflexion, Mediengesellschaft, Jugendmedienschutz, Persönlichkeits-, Urheber-, Lizenzrecht und Datenschutz. (vgl. Leitperspektiven zum Bildungsplan 2016)

Eine Aufgabe der Schule ist es natürlich, die Schüler bestmöglich auf ein späteres Berufsleben vorzubereiten. Hier sind Kenntnisse im Umgang mit den digitalen Medien unerlässlich. Konkret lernen die Schüler zuerst den Umgang mit Computern und heute gängiger Software (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation…), doch ist es auch die Aufgabe der Schule, den ihr anvertrauten Jugendlichen dabei zu helfen, zu verantwortungsbewussten Bürgern zu werden, die in der heutigen Welt bestehen und zum Wohle der Gesellschaft miteinander kommunizieren können. Dazu ist es unabdingbar, internetfähige Medien ins Klassenzimmer zu holen, sinnvoll in den Unterricht zu integrieren und den Schülern so den konstruktiven Umgang damit näher zu bringen.

Das Lernen in der digitalen Gesellschaft beschränkt sich schon längst nicht mehr auf die Schule. Vielmehr ist das Lernen ist eine lebenslange Aufgabe und spielt sich sowohl in globalen Dimensionen, sowie sozialen und vernetzten Kontexten ab. Es ist heutzutage weder räumlich noch zeitlich beschränkt und geht daher über den Kontext einer Unterrichtsstunde hinaus. Hinzu kommt, dass im digitalen Zeitalter interkulturelle und intergenerationelle Kontakte ins Lernen integriert werden können.

Dies heißt für die Schule, dass es nicht genügt, den Umgang mit einem Computer einzuüben, sondern es müssen auch Arbeitstechniken vermittelt werden, die es den Schülern ermöglichen, im übermächtigen Datenfluss des Web 2.0  relevante Informationen zu finden und diese in angemessener Form zu verwenden und ggf. mediengestützt zu präsentieren. Ebenso wenig darf die Dokumentation von Arbeitsaufträgen vernachlässigt werden und auch der Umgang mit Themen wie Internetsicherheit, sozialen Netzwerken, Datenschutz, Privatsphäre und Urheberrecht darf heute nicht mehr dem Zufall überlassen werden. Schließlich sollen die Schüler von heute im Kontext des neuen Lernens selbst im Mittelpunkt stehen und aktiv lernen anstatt wie früher “belehrt” zu werden.

Das interkulturelle Potenzial des Internets kann besonders im modernen Fremdsprachenunterricht von Nutzen sein. Noch nie war es so einfach, mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren und so die im Unterricht erlernten Sprachen unmittelbar und in einer authentischen Gesprächssituation anzuwenden. Ebenso bieten Internet & Co die Möglichkeit, mit authentischen Dokumenten (Podcasts, Texte, Videos…) in der Fremdsprache zu arbeiten und so die vom Bildungsplan geforderten Grundkompetenzen zu trainieren. Dazu gehört auch der Umgang mit digitalen Texten als eine eigene Textsorte, die nicht mit den herkömmlichen Lesetechniken für Printmedien erschlossen werden kann. Digitale Texte gehören zu einem erweiterten Textbegriff, da sie multimedial angereichert sein können, oftmals Werbung enthalten und man durch die Verlinkung auf weitere Inhalte ein Thema tiefer ergründen kann. Außerdem gibt es diverse Hilfsmittel, wie z.B. Online-Wörterbücher und Lesehilfen, die dabei helfen, unbekannte Wörter zu erschließen, den Sinn eines Textes besser zu verstehen, oder auch Menschen mit Behinderungen das Lernen zu erleichtern.

Somit kann die Schulung der Medienkompetenz sich nicht mehr nur auf das Fach ITG beschränken, sondern muss in allen Fächern ihren Platz haben. Sie kann nur spiralcurricular erfolgen, d.h. das in einem Fach erworbene Techniken in weiteren Fächern wieder auftauchen und so vertieft werden. Nicht zuletzt basiert darauf auch die Bedeutung, die der Medienkompetenz im neuen Bildungsplan für Baden- Württemberg, der seit Beginn des Schuljahrs 2016/2017 verbindlich gilt, zuteil wird.

„10 Irrtümer zum Einsatz digitaler Medien in der Schule“

Vortrag von Prof. Dr. Christian Spannagel (PH Heidelberg) im Rahmen der Veranstaltung „Lernen zwischen Fibel und Youtube“ in der Berliner Stiftungswoche 2014 auf dem Campus Rütli

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